Ist eine Haaranalyse sinnvoll?

Wichtiger Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der neutralen Aufklärung und allgemeinen Information. Sie ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt oder Allergologen. Bei gesundheitlichen Beschwerden sollte immer medizinisches Fachpersonal konsultiert werden.

Manche halten Haaranalysen für an den Haaren herbeigezogen. Ob eine Haaranalyse im Einzelfall sinnvoll ist, hängt vor allem daran, welche Frage Du damit beantworten möchtest – bei Schwermetallen sieht die Antwort ganz anders aus als bei Vitaminen.

Dieser Text ordnet ein, wie das Verfahren abläuft, welche Stoffe sich im Kopfhaar einlagern und wo eine Haaranalyse als Nachweis anerkannt ist. Vorweg der wichtigste Punkt: Für die Beurteilung der Vitamin- und Mineralstoffversorgung ist sie kein anerkanntes Standardverfahren. Als Referenz gelten ärztlich veranlasste Blut- beziehungsweise Serumuntersuchungen.

Was ist eine Haaranalyse?

Untersucht wird eine kleine Menge Haar, die nah an der Kopfhaut entnommen wird. Kopfhaar wächst um etwa 1 cm pro Monat, eine Strähne von 6 cm deckt also ungefähr ein halbes Jahr ab. Während der Wachstumsphase gelangen Stoffe aus dem Blut in die Haarwurzel und bleiben im fertigen Haar gebunden. Das Wachstum macht daraus eine Zeitachse, deren Reichweite die Haarlänge bestimmt.

Wie die Haarentnahme abläuft

Die Haarentnahme ist unkompliziert: möglichst nah am Haaransatz ansetzen und etwa fünf bis zehn Strähnen abschneiden. Bei den Selbsttests mit Haarprobe für zu Hause von Medicross entnimmst Du die Probe selbst und sendest sie in der beiliegenden Tüte ein. Anschließend erhältst Du eine Ergebnisübersicht per E-Mail. Diese Selbsttests sind Wellness-Tests und kein medizinisches Untersuchungsverfahren. Eine ärztliche Abklärung ersetzt der Test nicht.

Treten nach dem Essen häufig Magenschmerzen oder Blähungen auf, gibt Dir der Unverträglichkeits-Test für zu Hause Anhaltspunkte dafür, welche Lebensmittel Du im Alltag genauer beobachten möchtest. Der Unverträglichkeitstest bezieht Lebensmittel und weitere Substanzen ein. Ob eine Unverträglichkeit vorliegt, klärt eine Ärztin oder ein Arzt ab.

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Einlagerung im Haar: was sich dort anreichert

Das Haar wächst im Haarfollikel und legt dabei ein Archiv an: Stoffe aus dem Blut werden während des Wachstums eingebaut. Kopfhaar wächst im Mittel etwa einen Zentimeter pro Monat, sodass sich über einzelne Haarabschnitte ein Zeitraum retrospektiv abbilden lässt. Die Einlagerung folgt dabei keinem einheitlichen Muster. Metalle binden gut an das Keratin des Haares, Vitamine dagegen kaum. Ein Schadstoff, der über Wochen aufgenommen wurde, lässt sich daher eher wiederfinden als ein kurzer Engpass in der Ernährung. Im Urin sind viele Substanzen nur wenige Tage messbar, im Haar bleibt ein langer Zeitraum abgebildet – das ist die eigentliche Stärke der Methode. Grenzen setzt das Längenwachstum selbst: Nicht jedes Haar befindet sich in derselben Wachstumsphase. Nur Haare in der anagenen Phase wachsen aktiv; daneben gibt es in der katagenen Phase und in der telogenen Phase Haare, die nicht mehr wachsen und daher keinen aktuellen Zeitraum abbilden. Bei sehr kurzem Kopfhaar werden ersatzweise Körperhaare verwendet, die langsamer wachsen und einen anderen Zeitraum abdecken.

Haarmineralanalyse: der Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen

Unter dem Namen Haarmineralanalyse bestimmt ein Labor den Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen im Haar, meist mit dem Verfahren ICP-MS. Beworben werden solche Untersuchungen über Reformhäuser, Heilpraktiker und Onlineportale, und viele Anbieter von Haaranalysen legen Tabellen mit Referenzbereichen dazu. Genau hier beginnt die Kritik: Für Spurenelemente wie Zink oder Selen fehlen im Haar einheitliche Normalwerte, und zwei Haarproben derselben Person können je nach Vorgehen unterschiedlich ausfallen.

Wo eine Haaranalyse als Nachweis gilt

Bei Schwermetallen kommt es darauf an, welche Frage beantwortet werden soll. Metalle lagern sich während des Haarwachstums über Wochen bis Monate ein; das Haar bildet damit einen längeren Zeitraum ab als eine einzelne Blut- oder Urinprobe. Wissenschaftlich etabliert ist die Haaranalyse beim einzelnen Menschen vor allem bei Methylquecksilber, das über bestimmte Raubfische aufgenommen wird. Bei Blei oder Arsen wird sie vor allem in Untersuchungen größerer Bevölkerungsgruppen eingesetzt, so die Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes. Das Bundesinstitut für Risikobewertung informiert über Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Cadmium sowie über das Halbmetall Arsen, die über Lebensmittel und Umwelt in den Körper gelangen; bei Verdacht auf eine Belastung veranlasst eine Ärztin oder ein Arzt in der Regel eine Untersuchung von Blut oder Urin.

Toxikologisch und für kriminaltechnische Fragestellungen ist die Methode außerdem beim Nachweis von Arzneimitteln und Betäubungsmitteln etabliert. Die Analyse von Haarproben wirkt dort als Biomonitor über einen längeren Zeitraum. Die chemische Analyse erfolgt mit Massenspektrometrie, meist gekoppelt mit einer Chromatographie. Nachgewiesen werden nicht nur die Substanzen selbst, sondern auch ihre Metabolite, also die Abbauprodukte im Körper: bei Alkohol der Metabolit Ethylglucuronid (EtG), daneben Drugs of Abuse wie Cannabis, Kokain und Amphetamine sowie Arzneistoffe wie Benzodiazepine. In der Fahreignungsdiagnostik dient sie als Beleg einer Alkoholabstinenz und als Abstinenznachweis für andere Substanzen: Üblicherweise werden 6 cm untersucht, gemessen ab der Kopfhaut; ein Segment von 6 cm Länge deckt rund sechs Monate ab. Das Beurteilungskriterium ist dabei der Zeitraum seit dem Abstinenzbeginn, und die Begutachtung läuft über amtlich anerkannte Stellen. Die Alternative ist ein Urinkontrollprogramm mit mehreren kurzfristig angesetzten Terminen; die Haaranalyse kommt mit einer einzigen Probenahme aus. Voraussetzung ist möglichst unbehandeltes Haar, denn Bleichen, Färben, Tönen oder andere Haarbehandlungen können die Analyseergebnisse verfälschen; unbehandelter Haarwuchs ist für die Analyse der Haare deutlich besser geeignet. Diese klinisch und rechtlich klar umschriebenen Fragen sind das Feld, auf dem eine Haaranalyse sinnvoll ist.

Ist eine Haaranalyse sinnvoll, um einen Vitaminmangel zu erkennen

Warum die Haaranalyse bei Vitaminen und Mineralstoffen umstritten ist

Für die Beurteilung der Vitamin- und Mineralstoffversorgung ist die Haaranalyse wissenschaftlich nicht als Standardverfahren anerkannt; als Referenz gelten Blut- beziehungsweise Serumuntersuchungen, die ärztlich veranlasst werden. Der Grund: Der Gehalt im Haar hängt nicht allein von der Versorgungslage ab, sondern auch von der Haarfarbe, der Wachstumsgeschwindigkeit, dem Waschverhalten, von Colorationen und Pflegeprodukten sowie von Staub und äußeren Ablagerungen. Jede Haarbehandlung, die chemisch wirkt, verschiebt die Werte; kosmetisch behandeltes Haar ist deshalb nur eingeschränkt brauchbar. Auch zwischen verschiedenen Laboren können die Werte für dieselbe Probe unterschiedlich ausfallen, weil einheitliche Referenzbereiche fehlen.

Für Nahrungsmittelunverträglichkeiten gilt das ebenso: Ob Du ein Lebensmittel verträgst, lässt sich über das Haar nicht beweisen. Als gesicherte Verfahren gelten hier die ärztliche Diagnostik sowie die Auslass- und Wiedereinführungsdiät unter fachlicher Begleitung. Ergebnisse aus Haarproben sind deshalb als Orientierung zu verstehen – als Ausgangspunkt für Deine eigene Beobachtung und für das Gespräch mit Arzt, Ärztin oder Ernährungsfachkraft. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.

Untersuchungsmethoden bei Haarausfall

Das Haarwachstum verläuft in Zyklen. Gehen mehr Haare aus als üblich, führen andere Untersuchungsmethoden weiter als eine Haarmineralanalyse: der Blick auf die Kopfhaut mit dem Auflichtmikroskop, der Zupftest, das Trichogramm mit Beurteilung der Haarwurzeln und ärztlich veranlasste Blutuntersuchungen, etwa auf Eisen und Ferritin. Einen Überblick zu Haarausfall geben das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und die Leitliniensammlung der AWMF.

Was Du im Alltag tun kannst

  • Notiere zwei bis vier Wochen lang, was Du isst und wann Beschwerden auftreten.
  • Frage vor einer Bestellung nach, welche Aussage ein Ergebnis überhaupt trägt.
  • Verwende für Haarproben möglichst ungefärbtes Haar nah am Haaransatz.
  • Sprich auffällige Punkte in der Praxis an, statt Werte selbst zu deuten.
  • Kläre die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln ärztlich ab.

Der Selbsttest für zu Hause gibt Dir Anhaltspunkte dafür, welche Themen Du im Gespräch mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt ansprechen möchtest; der Mikronährstoff-Test für zu Hause bezieht dabei mehrere Mineralien und Vitamine ein. Ergänzend findest Du in unserem Shop personalisierte Nahrungsergänzungsmittel, die für Dich individuell zusammengestellt werden. Bitte beachte, dass Du personalisierte Nahrungsergänzungsmittel nicht mit anderen Menschen teilen solltest, da sie auf Deine Angaben abgestimmt sind. Ob eine Ergänzung für Dich sinnvoll ist, gehört in ärztliche Hände; der Selbsttest ist ein Wellness-Test und liefert dafür keine verbindliche Grundlage.

Wann Du ärztlichen Rat suchen solltest

Zeitnah in die Praxis gehörst Du bei plötzlichem, büschelweisem Haarverlust, bei kahlen Stellen mit Rötung, Schuppung oder Schmerzen an der Kopfhaut und bei Haarausfall zusammen mit Gewichtsverlust, starker Müdigkeit oder Zyklusveränderungen. Ebenso bei jedem Verdacht auf eine Belastung mit Schwermetallen im Beruf. Auch anhaltende Magen-Darm-Beschwerden nach dem Essen gehören abgeklärt, bevor Du Lebensmittel dauerhaft streichst.

Häufige Fragen

Wie sinnvoll ist eine Haaranalyse?

Das hängt an der Fragestellung. Geht es um Arznei- und Betäubungsmittel, um einen Abstinenznachweis oder um eine Belastung mit Methylquecksilber, ist das Verfahren etabliert. Bei anderen Schwermetallen stützt sich die ärztliche Beurteilung im Einzelfall auf Blut- oder Urinproben. Geht es um die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen, ist es das nicht – dort führen ärztlich veranlasste Blutuntersuchungen weiter.

Was kann man bei einer Haaranalyse alles erkennen?

Im Haar lagern sich während des Wachstums Metalle und Fremdstoffe ein, darunter Blei, Quecksilber, Arsen, Nikotin sowie Arzneimittel und Betäubungsmittel. Aussagekräftig für den einzelnen Menschen ist das vor allem bei Arznei- und Betäubungsmitteln und bei Methylquecksilber. Vitamine, Enzyme und Aminosäuren lassen sich daraus nicht verlässlich ableiten, eine Bewertung der Stoffwechselprozesse ebenfalls nicht.

Was kosten die Untersuchung und die Analyse?

Die Preise unterscheiden sich stark nach Umfang und Anbieter: von zweistelligen Eurobeträgen für eine einfache Haarmineralanalyse bis zu deutlich höheren Summen für eine forensische Untersuchung mit Abstinenzbeleg. Die Kosten übernimmt eine Krankenkasse in der Regel nur, wenn eine Ärztin oder ein Arzt die Untersuchung aus medizinischem Grund veranlasst.

Wie seriös sind Haaranalysen?

Seriöse Anbieter sagen offen, welche Aussage ein Ergebnis trägt und welche nicht. Skeptisch werden solltest Du, wenn ein Ergebnis als medizinischer Befund dargestellt wird, wenn Mittel oder Kuren gleich mitverkauft werden oder wenn einheitliche Normalwerte behauptet werden, die es für das Haar nicht gibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kopfhaar wächst rund 1 cm im Monat und bildet damit einen längeren Zeitraum ab.
  • Etabliert ist die Methode in der Fahreignungsdiagnostik und bei Methylquecksilber; bei anderen Schwermetallen stützt sich die ärztliche Beurteilung auf Blut oder Urin.
  • Für die Vitamin- und Mineralstoffversorgung ist sie kein anerkanntes Standardverfahren.
  • Waschen, Färben, Umwelteinflüsse und fehlende Referenzbereiche verschieben die Werte.
  • Bei Haarausfall führen Trichoskopie, Trichogramm und Blutuntersuchungen weiter.

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Quellen und weiterführende Informationen

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